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Ich wollte doch nur Kaffee kaufen...
Posted by Agi
on
19:20
Seit meine Eltern sich damals eine frisch
mahlende Espresso-Maschine zugelegt haben, bin ich verwöhnt geworden. Plötzlich
ist der schnöde Filterkaffee, den man vorher noch täglich konsumiert hat,
schlimmer als Abwaschwasser im Mund und dann fängt es an, dass einem nichts
mehr schmeckt. Man weiß nicht, was man tut, aber man weiß, Filter, nie
wieder.
Ich habe seither ein Leben zwischen
Coffee-to-go und Mc Café gefristet und mich von einem teuren Becher zum
nächsten gehantelt. Das musste nun endlich aufhören. Es kostet einfach
zu viel auf Dauer.
Also bat ich meine Mutter um die kleine
Nespresso-Maschine, die sie für den Wohnwagen gekauft hatte, mit dem mein
Vater und sie immer Urlaub machen.
Da stand sie nun also in meiner Küche,
bereit mir schier unendliche Kaffee-Freuden zu bereiten, wenn ich denn
nur bereit wäre, sie mit den Kapseln zu füttern.
Zugegeben, ich hatte mich vorher nie
großartig mit Kaffee beschäftigt. Ich wusste nur, aus welchen Maschinen
und Lokalen guter Stoff kam und aus welchen nicht. Meine Filtermaschine
machte aus allem, was man reinwarf ohnehin ekelhafte braune Soße und die
Maschine meiner Eltern schien jede Bohne in flüssiges Gold zu verwandeln.
Also dachte ich, das könne doch nicht so schwierig sein.
Also machte ich mich als völliger Noob
auf den Weg in den Nespresso-Shop beim Stephansplatz, um "Kaffee zu
kaufen".
Oh, wie wurde ich doch beschämt durch
diesen schnöden Gedanken, als ich die Tore dieses Kaffee-Wunderlands betrat.
Vor mir tat sich eine Welt auf, in der ich mich klein und unwichtig und
für den Hauch einer Sekunde auch ziemlich dumm fühlte. Vor mir ein Counter
mit 10 Angestellten in Anzug und Krawatte, die hin- und herwuselten, aus
einer 5 mal 3 Meter großen Regalwand mit tausenden von verschiedenfarbigen
Schachteln gefüllt, die mich leicht an Mr Olivanders Zauberstabladen erinnerte,
und schick gekleideten Kunden Espressotassen hinstellten und glänzende
Papiertüten aushändigten mit einem Inhalt, der nach mehr aussah als nach
Lebensmitteln. Die Kundschaft schien eine fremde Sprache zu beherrschen
und ich hörte nur "5 Stangen Livanto und 5 Stangen Rosabaya".
Konnte man denn hier überhaupt Kaffee kaufen?
Schneller als ich aus dem Staunen herauskam,
war ich an der Reihe und stand vor einem der Angestellten, der mich sehr
freundlich aber dem Arbeitstempo entsprechend fragte "Wie kann ich
Ihnen helfen?" "Äh ja... ", antwortete ich leicht aus der
Fassung gebracht, "ich möchte Kaffee kaufen."
Der Angestellte grinste. "Da sind
Sie hier richtig.". Also doch, na gut, aber er schien mehr von mir
zu erwarten. "Was darfs denn sein?", hakte er nach.
Ich war noch verdatterter, weil ich
natürlich keine Ahnung hatte, was ich wollte. "Ja, äh also, ich bin
neu hier, ich weiß nicht so recht, was ich kaufen soll." "Möchten
Sie vielleicht ein paar Sorten probieren?" "Ja aber ich kann
ja nicht alle Ihre Sorten durchprobiern." "Ja, das wird schwierig,
wir haben 16 verschiedene und seit neuestem auch noch unsere heißen Schokoladen."
"Aber wenn ich nicht weiß, wie sie alle schmecken, dann kann ich ja
auch eine falsche Entscheidung treffen... gibt es keine Möglichkeit, dass
ich von allen Sorten was mit nach Hause nehme?"
Ah, da schien der Verkaufssinn des Angestellten
auszuschlagen und ehe ich mich versah hatte ich auch schon das Haus verlassen
mit einer vollen Tüte mit insgesamt 160 Kapseln, einer Mitgliedschaft in
irgendeinem Club und einem merkwürdigen Plexiglaswürfel, in den man die
Kapseln legen kann... oder den man in den Müll werfen kann, denn ungefähr den selben Nutzen hat er.
Und ja, Kaffee ist nicht gleich Kaffee,
das merkt man spätestens, wenn man gezwungen ist, sich damit zu beschäftigen.

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